Demon’s Diary 4 (1)

Jajaja, ich weiß!  Es ist schon wieder viel zu lange her. Zugegeben, es war auch einiges los in den letzten Wochen. Nichtsdestotrotz ist in dieser Zeit eine extra lange Demon’s Diary Episode entstanden, an der ich gut herumgebastelt habe, bevor ich sie hier nun endlich online stelle. ‚Mehrschichtig‘ war diesmal das Motto und nicht weniger: überraschende Wendungen. Also in diesem Sinne – viel Spaß beim lesen!

Begleitservice

‚Höchste Zeit, aufzustehen!‘, ging es mir widerwillig durch den Kopf. Die andere Seite des Bettes war längst nicht nur leer, sondern auch kalt. Schwerfällig glitt ich von der Matratze. Die Nächte in dieser Sphäre waren eindeutig zu kurz.
Ich streckte meine verspannten Flügel und warf einen unentschlossenen Blick in die Tiefen des Kleiderschranks.
„Ich würde dir etwas Feierliches empfehlen“, erklang eine wohlbekannte Stimme hinter mir.
„Ach? Und zu welchem Anlass, wenn ich fragen darf?“
„Einen Staatsbesuch.“
Mit erwartungsvoller Miene drehte ich mich um. Mein Chef war selbstverständlich bereits eingekleidet. Komplett in Schwarz und leger wie immer. In der Hand hielt er eine Mappe, die, anders als ich es von unseren übrigen Seelenakten kannte, silbrig glänzte.
„Im Diesseits, um genau zu sein“, fuhr er fort, die Akte in meine Richtung schwenkend. „Und als Begleitservice für einen sehr wichtigen Kunden von uns.“
Arbeit – natürlich. Es waren eben diese Momente, in denen ich jene enge Verknüpfung von Privatleben und Job echt lästig fand. Trotz allen Komforts, den die Chefetage der höllischen Verwaltung zu bieten hatte.
Ich seufzte, nahm ihm das Dokument ab und schlug die Titelseite auf. Das Bild eines energisch, wenn auch leicht debil dreinblickenden Mannes in Uniform war dort abgedruckt.
„Diktator also“, kommentierte ich meine Akteneinsicht. „Und wohin soll ich den begleiten?“
„Na, zu uns. Ganz wie vereinbart.“ Mein Chef lächelte zufrieden. Vermutlich angesichts des so gewonnenen Seelenkapitals. Den so angedeuteten Vertrag hatte ich schnell entdeckt.
‚Größtmögliche Unterstützung bei Übernahme und Behauptung der diesseitigen Machtansprüche‘, ‚absolute Immunität gegenüber widerrechtlichen Angriffen‘, ‚Ausschalten politischer Gegner‘, überflog ich, gefolgt von: ‚Vorzeitige Sicherung der Seelenverfügung‘, ‚Abgabe aller Rechte‘ etc. bis eben zum heutigen Datum.
„Nun gut.“ Ich schmiss die Akte hinter mir aufs Bett und zog einen nadelgestreiften Hosenanzug aus dem Schrank.
„Oh, und ich empfehle dir, Verstärkung mitzunehmen.“
„Muss ich etwa noch gegen ihn kämpfen oder was?“ Zögernd betrachtete ich das Kleidungsstück. Vielleicht wäre etwas Martialisches angebrachter.
„Das nicht, eher als Diskussionsbeistand“, beruhigte mich mein Chef. „So zäh, wie der Typ schon beim Vertragsabschluss war, dürfte er alles versuchen, um hier irgendwie nachverhandeln zu können. Am besten wäre, wenn unsere Oberste Seelenzuteilerin dich begleitet.“
„Mia? Hat die nicht gerade Urlaub?“
Er warf mir einen vielsagenden Blick zu.
Ok. Mia würde ihren Urlaub wohl kurzzeitig unterbrechen müssen. Stöhnend schlüpfte ich in mein apartes Outfit und sammelte die Akte vom Bett auf.
„Nächstes Mal gehst du selber!“, feixte ich auf dem Weg nach draußen und zog die Tür hinter mir zu.
Gähnend stieg ich in den Fahrstuhl. Mias Appartement befand sich nur drei Etagen tiefer. So versprach zumindest dieser Besuch unkompliziert zu werden. Im schlimmsten Fall war sie nicht zuhause.
Dennoch. Auf dem Weg durch den Flur beschlich mich plötzlich ein seltsam beklemmendes Gefühl. Wie eine böse Erinnerung, die durch ein unterschwelliges Grollen noch bestätigt wurde, das aus Richtung der Wohnungstür zu vernehmen war. Ganz wie ein Knurren.
Zaghaft betätigte ich die Klingel.
Lautes Poltern umstürzender Gegenstände. Ein grelles Kreischen und blechernes Bellen.
Ich trat einen Schritt zurück, halb bereit zur Flucht, halb entschlossen, meiner potentiellen Begleiterin zur Hilfe zu kommen. Bevor ich einen näheren Entschluss fassen konnte, sprang die Tür auf und ein dreiköpfiges teils drachen-, teils hundeähnliches Monster warf mich zu Boden.
„Na, wer ist denn da?“, hörte ich Mias aufmunternd erhöhte Stimme, während drei riesenhafte Zungen über mein Gesicht schleckten. „Ja, das ist doch die Cay! So ein überraschender Besuch, nicht wahr Kerbi?!“
„So, jetzt reicht es aber!“ Genervt teleportierte ich mich in Mias Eingangsbereich, in dem ein umgefallenes Regal und eine schiefe Deckenlampe ‚Kerbis‘ bisherige Eskapaden dokumentierten. Ich seufzte und entfernte diverse Spuren von Sabber und Hundehaar von meinem Hosenanzug.
„Ich hab ihn derzeit zur Pflege“, kam erklärend von hinten. „Persephone und Hades brauchten mal eine kleine Auszeit.“
„Und da hast du dich natürlich sofort als Ersatzfrauchen angeboten.“
Mia grinste nur. Wie alle Dämonen besaß sie nicht viele Sentimentalitäten. Doch Kerberos gehörte eindeutig dazu. Seit unserem ersten Zusammentreffen mit dem Hades’schen Adelspärchen hatte sie jedenfalls keine Gelegenheit für eine umfängliche Hundebetreuung ausgelassen.
„Wir wollten gerade Gassi gehen“, holte sie beschwingt aus. „Willst du mit? Allerdings solltest du dich dann vielleicht vorher umziehen.“
Inzwischen hatte ich den Großteil der Reste von Kerberos‘ spontaner Begrüßung von meinem Outfit entfernt.
„Die Klamotten bleiben, wie sie sind“, entgegnete ich gereizt. „Und ich fürchte, euer Spaziergang muss warten. Du wirst mich nämlich bei einem Auftrag begleiten.“
„Ach? Werde ich das?“
„Anweisung von oben.“ Ich reichte ihr die mittlerweile leicht verknitterte Akte, die Kerberos‘ mittlerer Kopf sogleich interessiert beschnüffelte.
„Aus, Kerbi, mach Platz! So, was haben wir denn hier… Diktator… blablabla… Seelenzusicherungsvertrag… Sollen wir den etwa abholen?!?“
Ich nickte.
„Boah Cay, du weißt doch, dass ich Urlaub hab! Und dann noch ins Diesseits?!“
„Ach komm schon Mia, du bekommst die Zeit auch angerechnet.“
„Na schön.“ Sie entschwand kurz um die Ecke und kehrte mit einer sackförmigen Ledertasche sowie einer tauartigen Leine in der Hand zurück.
„Was soll das denn?“ Ich sah sie entgeistert an.
„Naja, Hundedecke, Leckerli, Kauknochen…“
„Du willst dieses Riesenviech doch nicht mitnehmen?!“
„Was denkst du, was der mit der Wohnung anstellt, wenn ich mal eben für ein paar Tage im Diesseits verschwinde? Entweder Kerbi kommt mit oder du kannst alleine fahren!“
Seufzend holte ich mein Handy hervor und wählte die Nummer des Trans-Dimensions-Express, jener praktischen Einrichtung für diesseitige Reisetätigkeiten.
„Ein Taxi zur Hauptverwaltung bitte“, orderte ich nach dem Freizeichen. „Das heißt, wenn möglich einen Kombi.“
Mia gab sich merklich erfreut.
„Hast du gehört, Kerbi? Wir machen einen kleinen Ausflug! Na, wie findest du das?“
Schwanzwedeln und dreistimmiges Kläffen. Ich musterte noch einmal Mias Erscheinung: Lederhose, T-Shirt, Turnschuhe. Immerhin die guten.
Ich wünschte mir nur, dass sich unser monströser Gefährte bis zu unserer Ankunft zumindest ein wenig beruhigt haben würde.

Fortsetzung folgt…

C. C. Holister (c) 2017

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.